In den USA werden inzwischen viele Stimmen laut, die Kritik an der Yoga Alliance üben. Auch in Deutschland und im europäischen Ausland werden Yogalehrerausbildungen immer öfter nach den Leitlinien der Yoga Alliance geplant und mit dem YA-Siegel beworben. Für Teilnehmer und Yogalehrer in Spe scheint die „Zertifizierung“ eines Lehrers oder einer Yogaschule etwas über die Qualität der jeweiligen Person oder Institution auszusagen. In Wahrheit hat die Yoga Alliance aber massiv dazu beigetragen, die Ausbildungsstandards für Yogalehrer weltweit mit ihrem 200/300-Stunden-Modell herabzusetzen. Es gibt Bewegungen wie die „Boycott Yoga Alliance“ auf Facebook, die darüber aufklären möchten. Die Boycott Yoga Alliance hat einige Fakten zusammengefasst, um über die Yoga Alliance aufzuklären und Missverständnisse aus dem Weg zu schaffen.

Die Yoga Alliance ist keine Aufsichts- bzw. Regulierungsbehörde.

Es gibt von Seiten der YA keine Voraussetzungen, um eine YA-registrierte Yogalehrerausbildung zu beginnen. Man kann vorher noch nie im Leben Yoga geübt haben und nach 200 Stunden als YA-anerkannter RYT rausspazieren. Abschlussprüfungen sind oft mehr oder weniger obligatorisch. Es gibt es wenige Studios bzw. Yogaschulen, die die Auszubildenden bei einer Abschlussprüfung tatsächlich durchfallen lassen, solange die Ausbildungsgebühr bezahlt wird. Bezahlt man im Anschluss noch die jährliche Gebühr der Yoga Alliance, ist man RYT. So einfach ist das!

Anm.: RYT wird von vielen Yogalehrern auf Visitenkarten etc. als Kürzel neben dem Namen genutzt und steht für registered yoga teacher, ERYT für experienced registered yoga teacher.

Eine freiwillige Registrierung bei der Yoga Alliance ist kein Kennzeichen für die Befähigung eines Lehrers, guten Yogaunterricht zu geben. Die YA verleiht mit ihrem Siegel eine gewisse Glaubwürdigkeit, tut aber in Wahrheit nichts dafür, um das Sachverständnis der registrierten Lehrer zu überprüfen. Niemand ermittelt, ob die Angaben auf den Registrierungsanträgen der Wahrheit entsprechen.

Es mag viele YA-registrierte Lehrer geben, die Meister ihres Fachs sind und fantastischen Yogaunterricht geben. Es gibt aber ebenso viele (wenn nicht mehr), die ohne Vorerfahrungen und Nachbegleitung oder Mentoring von 200-Stunden-Trainings ausgespuckt werden. 200h-Yogaausbildungen sind in den USA teilweise eine wahre Massenabfertigung und werden in ihrer Gesamtheit auch „puppy mill trainings“ genannt („Massenzuchtbetriebe“). Viele Studios bieten Ausbildungsprogramme an, um sich über Wasser zu halten, da die Mieten für geräumige Studios in Großstädten mit dem regulären Kursbetrieb kaum zu tragen sind.

200 Stunden sind ein Basistraining, wenn der jeweilige Lehrer bereits jahrelange Yogaerfahrung und eigenständige Übungspraxis zuhause vorweisen kann. 200 Stunden an sich sind nicht genug Zeit, um weit fortgeschritten oder fachlich qualifiziert in irgendeinem Bereich zu werden. Besonders nicht in so einem breit gefächerten Feld wie dem Yoga, in dem von Teilnehmenden oft erwartet wird, dass ein Yogalehrer gleichermaßen spiritueller Ratgeber, Physiotherapeut, Übungsleiter und Psychologe in einem ist. Abgesehen davon, dass man diesen Erwartungen nicht entsprechen muss 😉

Die Yoga Alliance prüft das Können und Fachwissen von „erfahrenen“ RYT, die neue Yogalehrer ausbilden und zertifizieren, nicht. Nur das Ausbildungsprogramm an sich wird auf dem Papier geprüft, aber niemand stellt sicher, ob das Training dementsprechend durchgeführt wird und von wem. Ein RYT darf nach nur zwei Jahren und 1000 Unterrichtsstunden Aus- und Fortbildungen nach YA-Kriterien für neue RYT-200 anbieten.

Die Yoga Alliance stellt eine Datenbank dar, in der Yogalehrer sich freiwillig auflisten lassen können. Also quasi ein Verzeichnis wie das Telefonbuch, nur deutlich teurer. RYT zahlen aktuell für ihren Antrag 50$ und weiterhin jährlich 65$, um ihren Status als RYT zu erhalten. Gerade in Deutschland bekommst du überhaupt keine Gegenleistung für den Jahresbeitrag, außer einen Stempel für deine Website oder Visitenkarten.

Yogaunterricht und -ausbildungen sind weitgehend unreguliert. In Deutschland darf sich jeder Yogalehrer nennen, du musst nicht mal eine Ausbildung absolviert haben. Schau dir als Teilnehmer oder Yogalehrer in Spe die Qualifikationen deiner Yogalehrer oder Ausbilder genau an, stell kritische Fragen, probiere den Unterricht aus und denke mit. Es gibt tolle Yogalehrer, aber sie sind TROTZ der Yoga Alliance mitsamt ihrer Ausbildungsstandards wunderbar, nicht wegen ihr. Diese qualifizierten Lehrer haben sich selbst gepusht und wurden von ihren Lehrern über 200h-Kompakttrainings hinaus gefordert und gefördert. Hört auf, der Yoga Alliance noch mehr Geld in den Rachen zu stecken.

 

 

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